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Rollenspiel gilt vor allem in Fernseh- und Zeitungsberichten als sehr suspekt.
Gerade die üblichen "Fachbegriffe" des Spiels wirken, aus dem Zusammenhang genommen, befremdlich: der "Meister", der einem einen "Auftrag" gibt, den man mit seiner "Magier" ausführt, vielleicht noch mit Hilfe eines "Rituals", in dem ein "Dämon" beschworen werden musste. Eine weiterer gern angeführter Kritikpunkt ist die Realitätsflucht, die Rollenspieler mit ihren langen Spieletreffen, dem Erleben von Abenteuern aus "zweiter Hand" und der Begeisterung für nicht existente Welten und Personen begehen. Gerade jugendliche Rollenspieler verbringen manchmal sehr viel Zeit mit ihren Freunden beim Rollenspiel und können endlose Geschichten darüber austauschen, die den Eindruck erwecken, es gibt nicht mehr viel Leben jenseits davon. Andererseits ist das wohl bei jedem Hobby der Fall, das mit Enthusiasmus betrieben wird. Die Stunden, die jeder durchschnittlich vor dem Fernseher verbringt und Abenteuer aus "dritter Hand" erlebt oder still vor dem Computer sitzt und sich in entsprechenden Spielen verliert, sind weniger auffällig, da sie für die meisten Leute nachvollziehbarer sind als das Rollenspiel - sie können aber ebenfalls als Realitätsflucht bezeichnet werden. Zudem ist es sicherlich die Aufgabe eines Spiels, eine Auszeit aus der oftmals grauen Realität zu nehmen, wobei auch hier gilt, dass zuviel des Gutes nicht mehr gut ist. Der dritte große Kritikpunkt ist die Gewaltverherrlichung, die in vielen Rollenspielen stattfindet. Nicht zuletzt da sie aus militärischen Simulationen entstanden sind, haben die meisten Rollenspiele einen hohen Anteil an Kämpfen in großem oder kleinem Maßstab. Obwohl die Lösung der Abenteuer auch mit Diplomatie und Geschick möglich ist, gibt es viele Situationen, die den reinen Einsatz von Gewalt - zum Beispiel gegen eine Vielzahl von bösartigen Monstren - nötig machen. In den dargestellten Welten ist der Einsatz von Waffen meist alltäglich, das Töten von Gegnern normal. Diese Aspekte des Rollenspiels stießen bei Pädagogen, Vertretern der Friedensbewegung und schlichtweg bei den Eltern der jüngeren Spieler auf große Besorgnis und er läßt sich auch nicht weg diskutieren. Allerdings ist dieser Umgang mit Gewalt nicht ungewöhnlich: jegliche Film- und Fernsehproduktionen sind mit den Jahren immer offener in ihrer Darstellung von Kämpfen und zwischenmenschlicher Gewalt jeder Art geworden, so dass selbst in Programmen für Kinder und Jugendliche Szenen vorkommen, die bedenklich sind. Positive Kritik am Rollenspiel gibt es jedoch auch: kaum ein anderes Spiel erfordert ein so hohes Maß an Kommunikation innerhalb der Gruppe und verlangt viel Kooperation zwischen den Spielern und dem Spielleiter, damit sich alle auf ein gemeinsames Vorgehen und eine Darstellung der Situation einigen können. Da die Szenarien nur verbal beschrieben werden, bedarf es der Phantasie. Konfliktlösungen innerhalb des Abenteuers oder zwischen den Spielern fördern soziale Kompetenzen, die alleine vor dem Fernseher oder dem Computer nicht zu erlernen sind. Zudem macht ein Rollenspielabend - genau wie eine Runde Monopoly oder Skat - einfach nur Spaß und erhöht damit die Lebensqualität. |